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Armin Linke - Raumbilderfolgen


Eine fotografische und filmische Kartografie unterschiedlicher Räume, in und zwischen denen sich der Mensch bewegt.

„raumbilderfolgen“ war ursprünglich als Interaktion, als ein Aufeinander-Reagieren der Künstler Harun Farocki und Armin Linke konzipiert. Die Möglichkeit des direkten, persönlichen Austausches wurde jedoch durch den Tod Farockis im Juli 2014 genommen. Der dokumentarische Kurzfilm „Schnittstelle“ (1995) von Harun Farocki dient nun als Ausgangspunkt der Ausstellung von Armin Linke. Die Installation ist eine Reflexion der eigenen künstlerischen Arbeitsweise, bei welcher Farocki auf bereits vorhandene Bilder zurückgriff. Im Fokus des Films steht die Frage, welche Sinnzusammenhänge sich aus der Kombination unterschiedlicher filmischer Aufnahmen ergeben, zu welchen Aussagen und Ideen sich Bilderfolgen verdichten können. Der Titel „Schnittstelle“ spielt indes nicht nur auf den Arbeitsplatz des Künstlers an, sondern auch auf die Verbindung zwischen Mensch und Maschine, deren kritische Reflexion steter Bestandteil der Filme Harun Farockis ist.

Dieser Aspekt ist auch für die filmische und fotografische Arbeit Armin Linkes von großer Bedeutung: anhand der Schnittstelle zwischen physischer und digitaler Welt geht er den ökonomischen, ökologischen und anthropologischen Veränderungen unserer Zeit nach. Linke analysiert und dokumentiert Räume, die den Menschen umgeben, die er erschafft, an die er sich anpasst und sucht nach der Verbindung dieser unterschiedlichen Bereiche. So entsteht eine Kartografie verschiedener Räume, in und zwischen denen sich der Mensch bewegt. Die Architektur spielt in seinen Fotografien zumeist die Hauptrolle, jedoch nicht im Sinne einer klassischen Architekturfotografie, sondern als Medium zur Darstellung des Wandels von Ideologien, kulturellen Bedingungen und politischen Spannungen.

Armin Linkes mittlerweile mehr als 100.000 Fotografien umfassendes Archiv fungiert als Ausgangspunkt für das Aufspüren neuer Umgangsformen mit seinen Bildern. Anhand der Gegenüberstellung und Kategorisierung der Fotos, etwa nach typologischen oder anthropologischen Kriterien, verdichtet sich das vordergründig dokumentarische Material zu einer auf unterschiedlichen diskursiven Ebenen funktionierenden Szenografie von Räumen.

Der Film „Alpi“ ist das Ergebnis einer Erkundung des sich über mehrere Nationen und Sprachräume spannenden Alpengebiets. Er veranschaulicht anhand der Betrachtung dieses spezifischen alpinen Raumes die gerade stattfindenden oder bereits vollzogenen globalen Veränderungen und die Komplexität sozialer, ökonomischer und politischer Zusammenhänge. Nachdem „Alpi“ bereits auf zahlreichen Festivals gezeigt wurde, ist der Film, für den auch in Innsbruck gedreht wurde, in der Ausstellung „raumbilderfolgen“ das erste Mal in seiner endgültigen Form zu sehen.

Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist eine filmische Skizze von Armin Linke, die das Ergebnis einer ersten Recherche am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Innsbruck ist. Im Fokus dieser Raumerkundung steht die Spannung zwischen den Laborräumen, der Infrastruktur, der Praxis des Forschens und dem mit bloßem Auge unsichtbaren Forschungsgegenstand.

In Armin Linkes Arbeiten, die oft essayistischen Charakter haben, ist nicht allein das Erzeugen einzelner, für sich selbst stehender Bilder von Bedeutung, sondern vor allem auch die Hervorbringung eines Bedeutungsraumes zwischen den einzelnen Bildern. Ähnlich wie in Farockis „Schnittstelle“ geht es um die Frage nach dem neuen Ganzen, das sich im Zwischenraum der Bilder ansiedelt. Eine Passage aus dem Film „Schnittstelle“ kann somit als übergreifendes Prinzip sowohl der Arbeitsweise der beiden Künstler als auch der Ausstellung verstanden werden. Die Methode des Montierens und Kombinierens unterschiedlicher Aufnahmen erläuternd, sagt Harun Farocki: „Das Besondere aber ist, dass es zwei Bilder zugleich zu sehen gibt. Ein Bild in Beziehung zum Anderen“.

armin linke
geb. 1966; Fotograf und Filmemacher; lebt und arbeitet in Mailand und Berlin; 2007 – 09 Gastprofessor an der Fakultät für Kunst und Design der Università IUAV di Venezia; 2010 – 12 Research Affiliate am Visual Arts Program des MIT in Cambridge; seit 2007 Professor an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe


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