Diverses · Diverse Musik · Theater

AO& / Marino Formenti - Unter Tag


Am 25. September 2015 ab acht Uhr morgens steht den Menschen der Stadt Wien für 24 Stunden ein weiterer Lebensraum zur Verfügung. 3000 Kubikmeter Raum unter der Erde bieten Geborgenheit und Schutz. Trinken, Essen, Schlafmöglichkeiten und sanitäre Einrichtungen ermöglichen beliebig lange Aufenthalte.

Diese Zusammenkunft geht der Frage nach, was Menschen veranlasst, jeden Tag von neuem wieder aufzustehen, weiterzuleben und weiter zu verfolgen, was sie tun müssen oder wollen. Gäste aus verschiedenen Geografien, Tätigkeitsfeldern und Lebensbereichen äußern sich zu ihrem inneren Antrieb und den Beweggründen ihres Handelns, dem Verhältnis von „Erster Ursache“ zu gegenwärtigem movens.

Impulse und Anleitungen in diesem zugleich interaktiven wie performativen, intimen wie öffentlichen, alltäglichen wie inszenierten Raum entstehen über die Grenzen verwebenden Interventionen und temporären Verbindungen, welche sich um die musikalischen Räume des Pianisten Marino Formenti bilden, und die räumlichen Angebote und sozialen Situationen von AO&. Ereignisse zeigen und akkumulieren sich über den Tag in verschiedenen Etappen und Abschnitten, verdichten sich gegen Abend sukzessive, um sich in die Nacht auszudehnen. Gäste werden gleichsam Urheberinnen und Zeuginnen von Ereignissen, Begegnungen und Äußerungen dieser Versammlung, von der jeder Teil sein kann, soll.

HEIDI ACHTER, IHU ANYANWU, DANIEL ASCHWANDEN, THOMAS BALLHAUSEN, ESTUARDO CHACÓN, BERNHARD CELLA, TIM ETCHELLS, MALIKA FANKHA, ARNE FORKE, CHRISTINE GAIGG, WOLFGANG GANTNER, PHILIPP GEHMACHER, ELIO GERVASI, SUSANNE VALERIE GRANZER, MARIELLA GREIL, RICO GULDA, THOMAS JELINEK, ERICH RENÉ KARAUSCHEK, GÖKHAN KAYA, BARBARA KRAUS, THOMAS LEVENITSCHNIG, ROBERTA LIMA, TOM MARSCHALL, LYDIA MISCHKULNIG, BORIS ONDREICKA, FRITZ OSTERMAYER, BRUNO PUDSCHEDL, OMAR RAJEH, AUGUST RUHS, MICHAEL TURINSKY, VETCHESLAV SENIUGOV, ANAT STAINBERG, KRIS VERDONCK, ALFRED UHL, DORIS UHLICH, YOSI WANUNU, DIETER WÜRCH, SUHAIB ZIDAN, TOMAS ZIERHOFER-KIN, HELENE ZINIEL, DU, ICH und viele mehr.

Die Gästeliste aktualisiert sich kontinuierlich!

AO& (Philipp Furtenbach, Philipp Riccabona und Thomas A. Wisser) haben seit 2008 eine Vielzahl an Projekten im In- und Ausland verwirklicht und bewegen sich dabei in den Feldern Bildende Kunst, Performance, Architektur und Orts-, bzw. Regionalentwicklung. AO& entwickeln Raumfolgen und Dramaturgien, durch die sich außergewöhnliche Bedingungen für Aufenthalt, Kommunikation und Produktion ergeben. Kunst wird als Handlungsform und Erweiterung des Möglichen, Erlaubten verstanden. Seit 2012 werden Settings für Tonaufnahmen entwickelt und Serien von Interviews zu biografischen und gesellschaftspolitischen Themen geführt. Seit Jahren entsteht ein umfangreiches Werk an Fotografien, Zeichnungen, Objekten sowie Audio- und Videodokumenten.

www.aound.net

Marino Formenti, von der Los Angeles Times als „a Glenn Gould for the 21st Century“ gepriesen, arbeitet seit Jahren an der Befragung seines Metiers. In den klassischen Hallen von New York, London oder Berlin gefeiert, schafft er immer wieder andere musikalische Räume , die die Strukturen des Betriebe s aufheben oder in Frage stellen.
Im „Nowhere“ etwa (u.a. in Graz, Berlin, Bruxelles aufgeführt) spielt, schläft und isst er bis zu 4 Wochen ohne Unterbrechung in einem zugleich privaten und öffentlich zugänglichen Raum, um eine musikalische Situation zu schaffen, so er, „die nicht „hör mir zu“ sagt“.
Im Projekt „Schubert und Ich“, das im gleichnamigen Film von Bruno Moll dokumentiert wurde, musiziert er mit musikalischen Laien, von Musik von Schubert ausgehend, in dem er sie durch Musik und Leben begleitet und musikalische Interpretationen gemeinsam und auf Augenhöhe entstehen lässt.
One to One ist eine ursprünglich für Art Basel 2013 konzipierte, zweistündige musikalische Begegnung mit jeweils einem Zuhörer.
In „seven studies of communication and musicianship“ (Berlin 2015) verbringt er mit sieben verschiedenen unbekannten Menschen jeweils einen ganzen Tag, ein Mensch pro Tag, immer zu zweit, jeweils vom Frühstück bis tief in die Nacht. Die Menschen wussten nur, dass sie dazu bereit sein sollen, selbst zu musizieren, also zu singen. Die Aufnahmen floßen, als klanggewordener Abdruck der „studies“, in die Installation „Selber Künstler“ zusammen.
Auf der musikalischen Bühne, wo er auch arbeitet, stellt Formenti die Konventionen in Frage: In Kurtag's Ghosts und Liszt Inspections strebt er durch den inhaltlich streng konzipierten Dialog zwischen ausgewählten Kompositionen einen ununterbrochenen Duktus an, ein Verfahren, das Joshua Kosman vom San Francisco Chronicle mit der Prosatechnik von James Joyce verglich. Im Torso spielt er mit der Idee des Unvollendeten, in dem er Fragmenten von Bach und Mozart bis Rihm und Barraquè zu einem Ganzen zusammenfügt. In The Song Project, im New Yorker Poisson Rouge uraufgeführt, stellte er Poplieder von Nirvana und Coldplay Werke von Bernhard Lang und Luciano Berio in einer revue-ähnlichen Dramaturgie gegenüber.

Er arbeitet sowohl mit den musikalischen Institutionen wie den Festivals in Salzburg, Luzern, Edinburgh, oder den Konzerthäuser von Berlin, Wien, London oder New York, als auch im performativen Bereich (Sterischer Herbst, Berliner Festspiele, Performatik Bruxelles), im Kunstbereich (Art Basel, Fahrbereitschaft Berlin) oder im Theater (Festival d'Automne Paris, TQW).

Er ist Träger des Belmont-Preises 2009 für zeitgenössische Musik der Forberg-Schneider-Stiftung in München.

www.marinoformenti.com


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