Kunstausstellung

Anti: modern - Salzburg inmitten von Europa zwischen Tradition und Erneuerung


Ist Salzburg tatsächlich anti-modern, wie immer wieder behauptet wird? Ausgehend von dieser vielleicht provokanten Frage, wird in der groß angelegten und international besetzten Ausstellung ein differenziertes Bild der Moderne gezeichnet.

Am Beispiel zahlreicher Ereignisse wird untersucht, inwieweit in der westlichen Region Österreichs ein weltoffenes und den modernen Lebensformen und Künsten aufgeschlossenes Denken vorhanden war oder ob dieses durch die politische Propaganda der 1930er-Jahre verschüttet wurde. Die Erscheinungsformen und Produktionsbedingungen moderner Lebenswelten und die Konsequenzen eines Denkens und Handelns, das einem modernen Leben entgegengerichtet war, eröffnen sich in der Ausstellung über breit gefächerte Themenbereiche und Genres.

Das Bild der Stadt als Plattform für Modernität und Fortschritt wurde geprägt durch internationale Metropolen wie New York, Berlin, Paris oder Wien. Infolge der Stadterweiterung und der Eröffnung der Kaiserin Elisabeth-Bahn im 19. Jahrhundert war Salzburg zunehmend in das Geflecht europäischer Großstädte eingebunden. Dies begünstigte die Wahl Salzburgs als Veranstaltungsort für Zusammenkünfte internationaler Wissenschaftler_innen, wie etwa den ersten Kongress zur Psychoanalyse 1908, und führte zur Entstehung wissenschaftlich-familiärer Laboratorien wie jenem der Familie Exner. Als zentraler Impulsgeber für die Künste im nationalen und internationalen Kontext gilt die Gründung der Salzburger Festspiele. Daneben gibt es aber auch weniger bekannte und durchaus überraschende Beispiele kultureller Initiativen in den 1920er-Jahren, wie etwa die Internationale Gesellschaft für Neue Musik oder die Elizabeth und Isadora Duncan-Schule. Im Wirken von Künstlergruppen und engagierten Frauen in Salzburg zeigen sich fortschrittliches Denken und Demokratisierungsprozesse.

Doch auch konservative und traditionsbewusste Tendenzen und die Instrumentalisierung der Künste in den 1930er-Jahren sind Teil der Ausstellung. Auslöschung, Vertreibung und Formen des ästhetischen und politischen Exils nehmen eine wichtige Rolle ein. Ausgehend davon stellt sich die Frage danach, inwieweit nach 1945 wieder an die Moderne angeknüpft werden konnte. Ausgewählte Werke der Gegenwartskunst von internationalen Künstler_innen wie Alice Creischer/Andreas Siekmann, Renée Green, Hans Haacke, Oliver Ressler, Gerhard Richter, Isa Rosenberger und Franz West greifen die Themenfelder auf und sind den Kapiteln mit historischen Kunstwerken und Materialien zwischengeschaltet.


Vergangene Termine