Kunstausstellung

Anne Schneider/ Michael Part/ Simon Dybbroe Møller


Simon Dybbroe Møller ist zurzeit Artist in Residence des 21er Haus. Er beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Materialität und Körperlichkeit vor dem Hintergrund allgegenwärtiger medialer Repräsentation und des damit einhergehenden Wandels unseres Naturbegriffs.

In seiner Ausstellung im 21er Raum zeigt er einen ausgestopften Vogel, eine Skulptur aus Bronze, einen Küchenblock, eine bedruckte Marmorplatte und so etwas wie Salatblätter.
Simon Dybbroe Møller, geboren 1976, wuchs in Grönland auf und lebt in Berlin. Seine Arbeiten waren zuletzt u. a. im Centre Pompidou, Paris, im Musee d’Art Contemporain de la Ville de Paris, im Kunsthaus Glarus und bei Ludlow 38 in New York (alle 2015) zu sehen. Demnächst werden seine Arbeiten im Le Plateau, Paris, im MOCA Cleveland sowie in der Kunsthalle São Paulo gezeigt.

In einer konzentrierten monografischen Präsentation zeigt das 21er Haus vom 5. Dezember 2015 bis 17. Jänner 2016 Werke von Michael Part. In seiner Arbeit mit und über Fotografie beschäftigt sich der österreichische Künstler mit den technischen Bedingungen des Mediums, beginnend mit der frühen Geschichte der analogen Fotografie. Seine experimentellen Anordnungen sind dabei weniger auf das Darstellen von Motiven ausgerichtet. Als buchstäbliches „Malen mit Licht“ bilden seine Kompositionen mit lichtempfindlichen Substanzen vielmehr die chemischen Prozesse rund um fotografische Verfahren ab.

Bereits im Titel Mercury et al. verweist die Ausstellung von Michael Part auf Quecksilber – ein für die Daguerreotypie wesentliches Element. Zwischen 1835 und 1839 entwickelt, gilt die Daguerreotypie als das erste praxistaugliche fotografische Verfahren. Dabei wird in eine Kamera eine Platte eingesetzt, deren Oberfläche mit Silbersalzen beschichtet ist. Bei Lichteinfall verändert sich die molekulare Struktur des Salzgitters, wodurch die Silbersalze zu metallischem Silber reduziert werden. Anschließend wird das Bild auf der Platte durch Quecksilberdämpfe verstärkt. Ergebnis ist eine Daguerreotypie, die dort silbern ist, wo wenig Licht einwirken konnte.

Beim Silbergelatine-Verfahren hingegen werden die Silbersalze nicht durch Lichteinfall, sondern durch eine Entwicklerflüssigkeit auf metallisches Silber reduziert. Dabei kann Selen zur Kontraststeuerung und Farbtonbeeinflussung eingesetzt werden, das außerdem die dabei entstehenden Fotografien haltbarer und damit auch archivtauglicher macht.

Ebendieses Selen steht in einer Reihe von Arbeiten Michael Parts im Vordergrund. Es handelt sich um sieben Silberspiegel, auf denen sich farbige Muster abzeichnen. Die Spiegelarbeiten wurden in einem dem Silbergelatine-Verfahren ähnlichen Prozess angefertigt; auf der Oberfläche der Spiegel ist jedoch kein Bild durch Licht festgehalten. Durch die Anwendung von Selen in einer wässrigen Lösung entstehen verschiedene Muster, die den chemischen Prozess abbilden, aber keine Motive darstellen.

In Ergänzung zum apparatlosen Verfahren der Spiegelarbeiten an den Außenwänden des Ausstellungsraums stellt die Diainstallation Untitled (Sodium dithionite et al.) die Apparatur ins Zentrum. Von einem in der Mitte des Raums positionierten Projektionsrack werfen zwei Diaprojektoren eine Sequenz von Bildern an gegenüberliegende Wände. Diese verweisen einerseits auf weitere fotografische Verfahrenstechniken und kontextualisieren andererseits sowohl inhaltlich als auch formal den Produktionsprozess der Spiegelserie.
Michael Parts Arbeiten werfen zentrale Fragen nach dem Wesen des fotografischen Bildes auf. In experimentellen Anordnungen bringen seine Werke die Substanzen rund um die bildgebenden Methoden in neue Kombinationen, wird die Funktion von Chemikalien unterlaufen, ohne deren Bezug zur Fotografie und zu ihrer Geschichte aus den Augen zu verlieren.

Das titelgebende Quecksilber hat Part in seinen Arbeiten übrigens nicht benutzt – den ersten Daguerreotypisten war aufgrund der Arbeit mit Quecksilberdämpfen durchaus eine kürzere Lebenszeit beschieden. In Anlehnung an die verschiedenen fotografischen Verfahren treibt Part aber so eine Narration voran, die einerseits außerhalb der Darstellung von Motiven liegt und andererseits die chemischen Prozesse zum Bildgegenstand macht – ein Unterfangen, das man als buchstäbliches „Zeichnen mit Licht“ beschreiben könnte.


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