Tanz · Theater

Anne Juren: 41


„Es scheint mir, als könnte nur eine Poetik der Beziehung, also etwas in der Vorstellung, im Imaginären Befindliches, diese Phasen und Verwicklungen verstehen helfen, in denen sich die Völker in der heutigen Welt befinden.“ — Edouard Glissant.

Im Mittelpunkt von Anne Jurens künstlerischer Praxis steht die formale und inhaltliche Analyse der Beziehung zwischen Bewegung und Sprache. Dabei nehmen Jurens Choreografien das Format experimenteller Sessions mit Gästen an. Das gesprochene Wort erzeugt einen schöpferischen Raum, der die Choreografie direkt in die Körper und die Imagination der Besucherinnen verlegt. In ihrem Solo richtet Anne Juren ihr Augenmerk auf dysfunktionale Beziehungen, absurde Phantasmen sowie unvorstellbare Handlungen und übersetzt diese in Bewegung. Die Arbeit untersucht die Beziehung des Körpers zu seiner Repräsentation und die „Poetik der Beziehung“ – eine Form des Denkens und Handelns, die ganz wesentlich auf dem Imaginären aufbaut –, ein Begriff, den der Autor und Philosoph Édouard Glissant geprägt hat. Dabei versucht Juren die Grenzen des Begriffs Choreografie zu erweitern. Das Theater selbst als ein Ort der Repräsentation wird gedacht als ein Raum der poetischen Beziehung zwischen Performerinnen, Tänzerinnen und Besucherinnen, als imaginäre Plattform, bei der Körper und Geist, das Reale und das Unsichtbare, das Private und das Publikum zusammenfinden und gemeinsam eine phantasmagorische Anatomie erschaffen können.


Vergangene Termine