Kunstausstellung

Anna-Maria Bogner - Notion


Perspektive, Raumdimensionen und die Suche nach dem Unbekannten sind die Themen, um die die Ausstellung Notion von Anna-Maria Bogner im Bildraum Bodensee kreist.

In Zeichnungen, Fotografien, Objekten und Installationen widmet sich die Künstlerin den Fragen nach Raumaneignung, Grenzen und Zwischenräumen. Dabei sind ihre Arbeiten bewusst auf Mehrdeutigkeit ausgelegt. So erscheinen ihre kargen Zeichnungen in Zeichenstift und Bleistift zuerst als geometrisch konstruierte Raumgebilde, deren Begrenzungen durch präzise Linien definiert sind. Wer sie jedoch näher betrachtet, entdeckt erste Irritationen. Verschiebungen, Doppelungen oder eine versetzte Anordnung von Fluchtpunkten lassen aus den Raumbildern virtuelle, utopische Entwürfe entstehen. Hier bricht Bogner das physische Konzept der Räumlichkeit auf. Für die Künstlerin umfasst der Raum nicht nur einen Ort in seinen drei Dimensionen, sondern manifestiert sich in Kommunikation, sozialer Interaktion und in kognitiven Leistungen.

Anna-Maria Bogners Arbeiten laden daher die Rezipienten dazu ein, die eigene Verortung im Raum zu überdenken und so neue Facetten innerhalb des subjektiven Raumgefühls zuzulassen. Während Bogner in ihren poetischen Fotografien anfangs noch eine Landschaft zur Betrachtung aussetzt, überträgt sie dem Rezipienten im Laufe der Ausstellung sukzessive mehr Verantwortung für die Konstruktion seiner Welt und macht ihn zum immanenten Bestanteil ihrer Arbeiten. Mithilfe von elastischen Bändern, die abgestimmt auf die architektonischen Eigenheiten des Bildraum Bodensee in den beiden Haupträumen gespannt sind, teilt die Künstlerin Raumpartien voneinander ab, die nun als Zerstückelung der ursprünglichen Einheit neu erlebt werden können. Der zarte, nicht greifbare Schwebezustand der feinen Gummibänder steht hier im Spannungsverhältnis zur Stringenz, mit der der Raum von ihnen geteilt wird. Die Intervention „o.T/2015“ kann sowohl als Begrenzung, als auch als Erweiterung des Raums empfunden werden. In beiden Fällen macht Anna-Maria Bogner in „o.T./2015“ die Grenzen der eigenen Räumlichkeit und Wahrnehmung für die Betrachter erfahrbar.

Die Arbeit „Nunc Stans“ bildet den konsequenten Schlusspunkt der Ausstellung. Das Werk besteht aus der Projektion eines leeren Dias auf eine weiße Fläche. Jedes Dia wird nur einen Tag gezeigt und am folgenden Tag durch ein wiederum leeres Dia ausgetauscht. Mit „Nunc Stans“ verdeutlicht Bogner das Paradoxon der Zeit, die wir nur als Augenblick tatsächlich erleben können, jedoch zugleich als die größte richtungsweisende Konstante unseres Lebens wähnen. Arbeiten wie „Nunc Stans“ und „o.T./2015“ sind konstitutiv für Bogners Schaffen, das von widersprüchlichen Prinzipien dominiert wird. Das Raumerlebnis wird aufgerufen und verweigert sich zugleich. Es ist eine beinahe asketische, meditative Kunst, gekennzeichnet von konzentrierter Präzision und der Beschränkung auf Schwarz und Weiß. In ihr sind eine Weltabgewandtheit und ein ausgeprägtes psychisches Konzept gegenwärtig.

Anna-Maria Bogners grafische Arbeiten, ihre Objekte aus geometrischen, perspektivischen Grundformen sowie die Installationen lassen Notion auch als psychisches Konzept von Zwischenräumen lesen, die von uns erdacht und nur für uns selbst zugänglich sind.


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