Oper

Anna Bolena


Die Inszenierung Eric Génovèses zeigt ein dem englischen Originalschauplatz des 16. Jahrhunderts nachempfundenes stilisiertes Ambiente, das die einzelnen Aspekte der Handlung, wie das Vergehen der Zeit oder die Intrige Heinrich VIII., durch die Anna Bolena und die ihren zu Fall kommen, atmosphärisch symbolisiert.


  1. Akt



Anna Bolena wird von ihrem Gatten, dem englischen König Heinrich VIII., vernachlässigt. Traurig erinnert sie sich an ihre erste, wahre Liebe – an Lord Riccardo Percy. Ohne Wissen der Öffentlichkeit hatte Anna sich mit diesem einst voller Freude vermählt. Dennoch verließ sie Lord Percy, als ihr Heinrich VIII. einen Heiratsantrag machte. Der Ehrgeiz, selbst eine Krone tragen zu dürfen, hatte Anna Bolena blind für ihre ursprüngliche Liebe gemacht. Nun ist sie zwar Königin, nichtsdestotrotz unglücklich. Heinrich VIII. ist mittlerweile in geheimer Liebe zu Giovanna Seymour, einer Hofdame Annas, entbrannt. Diese erwidert zwar die Gefühle des Königs, weigert sich aber, ihn zu erhören: Nur wenn der König sie heiraten würde, wäre Giovanna Seymour bereit, sich ihm hinzugeben. Daraufhin beschließt Heinrich VIII. den Tod Anna Bolenas. Er lässt Lord Percy, von dem er weiß, dass er Annas frührer Geliebter war (über die geheime Ehe der beiden ist Heinrich VIII. allerdings nicht informiert) aus der Verbannung an den Hof zurückholen und arrangiert ein scheinbar zufälliges Zusammentreffen von Lord Percy und Anna Bolena. Der König rechnet mit einem erneuten Aufflammen der Liebe der beiden und hofft, Anna auf diese Weise des Ehebruches überführen zu können. Doch auch Smeton, Annas Page, ist in die Königin verliebt. Vor längerer Zeit hat er daher ein Medaillon mit Annas Porträt aus ihrem Besitz gestohlen. Aus Angst, dass dieses Medaillon bei ihm entdeckt werden könnte, und seine Liebe damit offenbar wäre, beschließt Smeton, das Gestohlene unauffällig wieder in die Gemächer der Königin zurückzubringen. In dem Moment, als er im Begriff ist dies zu tun, betreten Anna und ihr Bruder Lord Rochefort die Räumlichkeiten, sodass sich Smeton verstecken muss um nicht gesehen zu werden. Lord Rochefort überredet Anna zu einem Treffen mit Lord Percy, der, von ihr vorgelassen, Anna seine ungebrochene Liebe beteuert. Auch sie gesteht ihre Liebe zu ihm, weist ihn aber aus Treue zu Heinrich zurück. Als Lord Percy daraufhin ein Schwert zieht um sich zu erstechen, stürzt sich Smeton aus seinem Versteck auf Lord Percy, da er irrigerweise meint, dass dieser Anna töten wolle. Da betritt Heinrich VIII. den Raum. Die beiden offenbar kämpfenden Männer sowie das Medaillon Annas, das bei Smeton gefunden wird, scheinen die Untreue der Königin zu bestätigen. Heinrich hat nun einen Vorwand, um Anna Bolena, Smeton, Lord Percy und Lord Rochefort verhaften zu lassen.




  1. Akt
    Die gefangene Anna Bolena trauert gemeinsam mit ihren Hofdamen. Doch auch dieser letzte Trost, im Kreis ihrer Vertrauten dem Gerichtsprozess entgegenzusehen, wird ihr nicht vergönnt: Sir Hervey, ein Offizier des Königs bringt den Befehl, dass die Hofdamen Anna zu verlassen haben um ebenfalls befragt zu werden. Kaum ist Anna allein erscheint Giovanna Seymour und gesteht der Königin die Geliebte Heinrichs zu sein. Anna verzeiht ihr und bezeichnet den König als den wirklich Schuldigen. Da Heinrich VIII. Smeton insgeheim mitteilen lässt, dass Anna vor dem Schafott nur gerettet werden könnte, wenn Smeton vor Gericht angibt ein Verhältnis mit der Königin gehabt zu haben, schwört der Page genau diesen Meineid – und liefert den Richtern dadurch den notwendigen Vorwand für das Todesurteil. Als Heinrich zusätzlich erfährt, dass Lord Percy und Anna bereits vermählt waren, scheint die Königin endgültig des mehrfachen Ehebruches überführt zu sein. Und obwohl Giovanna Seymour den König um das Leben Anna Bolenas bittet, werden vier Todesurteile ausgesprochen: über Anna Bolena, Lord Percy, Smeton und Lord Rochefort. Sie alle werden im Tower von London eingekerkert. Knapp vor den Hinrichtungen überbringt Sir Hervey Lord Percy und Lord Rochefort die Nachricht, dass Heinrich VIII. die beiden Herren zu begnadigen beabsichtigt. Doch sie wollen gemeinsam mit Anna Bolena sterben und lehnen daher die Gnade des Königs ab. Anna, die wieder mit ihren Hofdamen vereint ist, verfällt in geistige Verwirrung. Als sie aus der Ferne die Festklänge hört, die zur Feier der Hochzeit Heinrich VIII. und Giovanna Seymours erklingen, findet Anna wieder in die Realität zurück, verzeiht dem Paar und sinkt ohnmächtig zusammen. In diesem Moment erscheinen die Gerichtsdiener, um die Verurteilten zum Richtplatz zu führen.



Besetzung:

Evelino Pidò | Dirigent
Eric Génovèse | Inszenierung
Jacques Gabel | Bühnenbild
Claire Sternberg | Bühnenbild
Luisa Spinatelli | Kostüme
Bertrand Couderc | Licht
Johannes Haider | Bewegungsregie
Valérie Nègre | Regiemitarbeit

Marco Vinco | Enrico VIII.
Edita Gruberova | Anna Bolena
Sonia Ganassi | Giovanna Seymour
Celso Albelo | Lord Riccardo Percy
Margarita Gritskova | Smeton
Ryan Speedo Green | Lord Rochefort
Carlos Osuna | Sir Hervey


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