Kunstausstellung

Anmerkungen zum Beginn des kurzen 20. Jahrhunderts


„Anmerkungen zum Beginn des kurzen 20. Jahrhunderts“ begibt sich auf den Weg, die geschichtlichen Spuren des Ersten Weltkrieges in der Gegenwart darzulegen und den Umgang mit ihnen zu reflektieren. Was bedeutet diese Zeit, was bedeuten diese lange zurück liegenden Geschehnisse für uns? Was fordert eine heutige Stellungnahme und gegenwärtige künstlerische Auseinandersetzung heraus? Wie und wo lässt sich der geschichtliche Einfluss in Kunstwerken greifen? Welche Intentionen und Bildpolitiken stehen hinter den unterschiedlichen Formen der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit?

Die Ausstellung geht der Frage nach, inwieweit es zeitgenössischer Kunst zwischen Konstruktion, Referenz und Abbild möglich ist, das kulturelle Gedächtnis zu erweitern, zu korrigieren oder gar zu einer Wirklichkeitsfindung von Geschichte beizutragen. Gleichzeitig zeigen die Exponate veränderte, nicht gesellschaftskonforme Geschichtsbilder und verdeutlichen die Unterschiede von nationalen Erzählungen und Erinnerungskulturen über den Krieg.

So werden in der Diashow „Reparatur. 5 Akte“ (2012) von Kader Attia (FRA) der europäische Umgang mit dem Ersten Weltkrieg und die Kolonialgeschichte mit der aktuellen Migrationspolitik sowie europäische Kunstgeschichte und afrikanische Kultgegenstände miteinander verknüpft.
Die österreichische Künstlerin Deborah Sengl (AUT) zeigt die Skulptur „In-Chlor-Ious Basterd“ zum Chemiker Fritz Haber, der als „Vater des Gaskrieges“ gilt.
Die Künstlerinnen Olga Alia Krulisova & Jana Morkovska (CZE) wiederum stellen das Attentat von Sarajevo filmisch nach und reflektieren darüber, wie Augenzeugen ein Ereignis wahrnehmen, das das Leben von Millionen Menschen von Grund auf verändert hat.

Radenko Milak (BIH) malte in seiner Serie „Intimacy of planetary event“ für jeden Tag im Jahr Bilder von einem einschneidenden Ereignis des 20. Jahrhunderts während er in seiner Serie „storys about pigeons“ den Einsatz von Tauben als fliegende Spione, ausgerüstet mit Kameras, in scheinbar dokumentarischer Art nachzeichnet. Die in New York lebende österreichische Künstlerin Nin Brudermann (AUT) setzt sich mit ihrer Familiengeschichte auseinander: ihr Urgroßonkel und Urgroßvater waren k.u.k. Generäle. Der Disput mit Feldmarschall Franz Conrad über die Ursachen der Niederlage bildet den Ausgangspunkt für ihre Installation „Clash of Giants“ sowie einen gleichnamigen Kurzfilm. Die russische Künstlergruppe „San Donato“ reinstalliert in der Ausstellung den „Eisernen Wehrmann“ von Königsberg aus dem Jahre 1915, eine während des Ersten Weltkrieges weit verbreitete patriotische Nagelskulptur.


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