Pop / Rock

And You Will Know Us By The Trail Of Dead / The Hidden Cameras / INVSN / Nothing


...And You Will Know Us By The Trail Of Dead | Zur Geschichte von Trail Of Dead gibt es unterschiedliche Aussagen, wobei von der Band selbst bewusst mit Wahrheit und Lüge gespielt wird. Den vollen Namen mit Überlänge ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead leiten die US-Rocker aus ihrer langjährigen Beschäftigung mit der Maya-Kultur ab. Letztendlich handelt es sich bei der Namensfindungsgeschichte und ihren Hintergrund nach Aussagen des Bandmitglieds Conrad Keeley um einen Scherz.

Doch abseits aller Mystik und Verwirrung darf festgehalten werden, dass man es hier mit einer der bedeutendsten und aufregendsten Rockbands der letzten Dekade zu tun hat! So elegant wie kaum eine andere Band wechseln die Texaner zwischen Pathos und Ironie, wuchtigen Gitarrenwänden und zarten Melodien. Mit ihrem vorläufig letzten Album "Lost Songs" (2012) beweisen TOD zudem, dass sie den Hypestatus ihres 2002 veröffentlichten Longplayers "Source Tags & Codes" (Hipsterbibel Pitchfork gab damals die Höchstnote 10!) gut verdaut haben.

Mit "Lost Songs" kehren sie zu ihren Wurzeln zurück und liefern ein vertontes Gewitter ab. Ihre Songs sind einmal mehr ehrlicher und direkter Rock, weniger episch dafür geradliniger. Man wartet regelrecht auf die nächste Welle purer Kraft, die sich drohend aufbaut, um sich dann in einer gitarren- und basslastigen Explosion zu entladen.

Und genau solche Energiebomben sind auch ihre Live-Konzerte. Da kommt es durchaus mal vor, dass sie eine Spur der Verwüstung auf der Bühne hinterlassen. Eine gute Gelegenheit sich mitreißen zu lassen, zumal brandaktuell für Ahoi! Pop auch das neue Full-Length-Album (das neunte, schlicht "IX" betitelt) mit im Gepäck der Jungs sein sollte!

The Hidden Cameras | In jeder Bewegung Joel Gibbs steckt die standhafte Eleganz eines Dirigenten. Schwungvoll manieriert, so schöngeistig wie ein Blumenbouquet auf einer viktorianischen Kommode. Irgendwo zwischen Oscar Wilde und Charles Baudelaire, opulent, überbordend.

Seit 2001 spielt der Kanadier mit seiner Band The Hidden Cameras nun. In den Kirchen Torontos inszenierte er die legendärsten Nächte der Stadt. Männliche Gogotänzer boten den performativen, alles umstürzende Rahmen für Shows, die Religion hinterfragten und Sexualität feierten. Gibb prägte die Musikszene Torontos, als es sie fast noch nicht gab. Er war der erste kanadische Künstler, der bei Rough Trade unterschrieb. Inzwischen wohnt er in Berlin, hat seinen festen Platz gefunden, als Songwriter, als Künstler. Auf "Age" will er also nicht wissen, "wer bin ich, sondern wie bin ich zu dem geworden".

Das aktuelle Album ist gewissermaßen Joel Gibbs Coming-Of-Age-Album. Rückblickend erforscht er die verschiedensten Schattierungen von Age. Age darf nicht allein mit "Alter" übersetzt werden. Zu vielschichtig sind seine Bedeutungen. Age kann alles heißen. Vor allen Dingen meint Age, moralische Pflichten zu übernehmen. Es ist kein Zufall, dass Bradley Mannings Umrisse, das Innere der Platte schmücken. Wir leben schon im Bradley-Manning-Age. Manning ist für Gibb einer des wenigen Menschen mit Anstand, der seiner menschlichen Verantwortung gerecht wurde. Gibb inszeniert Manning als Ikone, als queeren Freiheitskämpfer.

Songwriter zu sein, heißt für Gibb, über das zu schreiben was man kennt und Verantwortung zu übernehmen. Ehrlichkeit ist seine oberste Maxime. "Wenn man nicht ehrlich zu sich selber sein kann, was für ein schlechter Künstler ist man dann erst?" "Age" ist ein Manifest von Wahrhaftigkeit größtenteils in F-Moll geschrieben. Und F-Moll, das wissen wir natürlich, das ist die Tonart der Klage, der Schwermut, aber auch der Sehnsucht und der schwarzen, hilflosen Melancholie.

Live ist trotz aller aktuell zur Schau gestellten Schwermut aber auch 2014 kein Kraut gegen die "Gay church folk music" der bis zu 20-köpfigen Band gewachsen: Tanzen, tanzen, tanzen jenseits aller Vorurteile und Klischees!

INVSN | Ganz offensichtlich mag dieser Mann alles, versucht alles und kann auch alles. Dennis Lyxzén zählt zu den prägendsten Figuren der skandinavischen Musikszene. Mit seiner Post-Hardcore-Band Refused schuf er in den 90ern drei brachiale Alben, das letzte, "The Shape Of Punk To Come", gilt als eines der bedeutendsten des Genres und wurde von zahllosen Magazinen unter die wichtigsten Alben der 90er gewählt. Es folgten Politrock mit The (International) Noise Conspiracy, Punk mit AC4 oder Power-Pop mit The Lost Patrol Band. Mit INVSN macht er jetzt auch noch dunkle, kalte, zum Teil synthetische und dabei unglaublich ergreifende Popmusik. Wobei "jetzt" nicht ganz stimmt, das aktuelle, selbstbetitelte Album ist das bereits dritte der Band, aber das erste mit englischsprachigen Songs.

Nothing | Nachdem sie beim CMJ-Festival einen großartigen Live-Gig gespielt haben, wurden Nothing aus Philadelphia von der U.S. Ausgabe von Rolling Stone zu einer der besten Entdeckungen des Jahres 2013 auserkoren. Ihr Debütalbum "Guilty Of Everything" kommt nun beim Extreme-Metal-Label Relapse heraus, aber man kennt sich ja bestens untereinander als Philly-Musik-Kumpels.

Nothing haben schon in den Staaten zusammen mit Whirr getourt, waren Opener für Cold Cave und DIIV und spielen derzeit als Support für Weekend. Die Band wurde 2011 von Domenic Palermo (ex-Horror Show) gegründet, der in Brandon Setta einen kongenialen Songwriter-Partner gefunden hat. Zusammen haben sie die Vision für den neuen, reichhaltigen und frischen Sound von Nothing entwickelt.

Auf "Guilty Of Everything" verschmelzen Nothing nahtlos den riesigen, verzerrten Gitarrensound der 90er/00er Alternative-Rock-Giganten My Bloody Valentine und Smashing Pumpkins mit dem introspektiven Post-Metal/Hardcore von Jesu. Ein kleiner Triumph - der Band gelingt es erfolgreich, massiv laut, dunkel, introspektive und gleichzeitig schön melodisch zu klingen.


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