Literatur

Am Ziel


Nicole Heesters liest aus "Am Ziel" von Thomas Bernhard und aus „André Müller im Gespräch mit Thomas Bernhard“.

Mit Am Ziel wandte sich Thomas Bernhard – wie schon in Über allen Gipfeln ist Ruh – dem Motiv des dramatischen Schriftstellers zu, und damit erneut den Salzburger Festspielen, die 1981 die Uraufführung produzierten. Wie in der Jagdgesellschaft ist auch in diesem Text ein Theaterautor Gast in einer bürgerlichen Familie, diesmal bei Mutter und Tochter, die seit Jahren in ihrer unaufgearbeiteten Familiengeschichte gefangen sind: Unablässig handelt das (von der Mutter dominierte) Gespräch von der unglücklichen Ehe mit einem Fabrikanten und von dem verkrüppelt geborenen Sohn, dem seine Mutter jegliche Liebesbezeugung verweigert hat.

Im (an der holländischen Küste gelegenen) Haus der beiden Frauen findet nun der Schriftsteller, Geschöpf eines Autors, dessen problematische Mutterbeziehung ebenfalls in der gleichen geographischen Umgebung ihren Ausgang nahm (vgl. die Schilderung in der autobiographischen Erzählung Ein Kind), Aufnahme. Deutlich wie selten zuvor inszeniert der Autor nicht zuletzt ein theatralisches Spiel mit sich selbst. Und er hört aus dem Mund der „Mutter“, dass er es als Autor endgültig geschafft habe.

1937 in Potsdam geboren, wuchs Nicole Heesters in einem Künstlerhaushalt – Vater: Johannes Heesters, Mutter: die Opernsängerin Louise Gheys – heran und erlebte ihre Kindheit und Jugend in Wien, Berlin, Prag, Belgien und den Niederlanden. Nach einer Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien spielte sie 1955 ihre erste wichtige Kinorolle in Kurt Hoffmanns Drei Männer im Schnee. Außerdem spielte sie bald große Rollen an allen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen, darunter das Schillertheater Berlin, die Schauspielhäuser in Düsseldorf, Bochum und Zürich, das Thalia Theater in Hamburg, das Staatstheater Stuttgart, die Bühnen der Stadt Köln, das Residenztheater München, die Kölner Oper und das Volkstheater Wien. Nicole Heesters ist der Bühne bis heute treu geblieben. Seit 2011 ist sie am Nationaltheater Mannheim in Federico García Lorcas Bernarda Albas Haus (Regie: Calixto Bieito) in der Titelrolle zu sehen. Für ihre Darstellung der Vera in Thomas Bernhards Vor dem Ruhestand am Wiener Theater in der Josefstadt (Regie: Elmar Goerden) erhielt sie 2014 den Wiener Theaterpreis Nestroy als beste Schauspielerin. Von 1978 bis 1980 verkörperte Nicole Heesters die erste weibliche Tatort-Kommissarin des deutschen Fernsehens. Es folgten viele herausragende Fernsehrollen, für die sie mit namhaften Regisseuren wie Peter Patzak, Eberhard Itzenplitz, Xaver Schwarzenberg, Kai Wessel, Andreas Kleinert, Vivian Naefe und Miguel Alexandre arbeitete. Sie überzeugte in anspruchsvollen TV-Produktionen wie Klemperer und Deutschlandspiel, Lamorte, Für die Liebe ist es nie zu spät und in Kelly Bastian – Geschichte einer Hoffnung. Auf der Leinwand war Nicole Heesters in Dani Levys Meschugge und in Peter Patzaks Sternzeichen zu sehen. Zahlreiche Lesungen und Sprecherrollen runden ihr Repertoire ab. Im Februar 2015 erhielt Nicole Heesters in Düsseldorf den Louise-Dumont-Goldtopas, eine 1932 gestiftete Auszeichnung für deutschsprachige Schauspielerinnen. Der undotierte Preis wird als Anerkennung für hervorragende Leistungen auf Lebenszeit verliehen. 2012 war dieser älteste deutsche Theaterpreis für Darstellerinnen mit dem Tod von Maria Becker wieder an das Theatermuseum Düsseldorf zurückgefallen. Die Entscheidung des Kuratoriums für Nicole Heesters fiel einstimmig. Sie ist nach Agnes Straub, Hermine Körner, Maria Wimmer und Maria Becker die fünfte Trägerin in einer Reihe profilierter Theaterschauspielerinnen.

Kartenpreis: € 31,-


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