Theater

Allerwelt


Flüchtlingsgeschichten bestimmen unsere letzten hundert Jahre. Philipp Weiss schafft mit Allerwelt einen vielstimmigen und -sprachigen Chor der Flüchtlinge und Erinnerungen, aus dem sich ein mehrere Dekaden umfassendes zeitgeschichtliches Panorama entrollt.

Er erzählt von Gaspar, dem ungarischen Grenzsoldaten, von Yasar, dem türkischen Transsexuellen, von Malalai, der afghanischen Ärztin, von Fatima, einer Somalierin, ihren Töchtern, von Naseer, dem jungen Iraker, von Thien, dem alten, schweigenden Vietnamesen, von Anat, der Jüdin, die von ihren Eltern auf dem Weg nach Zion zurückgelassen wurde, von Tereza, der Tschechin, und von Guillermo, der aus der Folterkammer Pinochets entfloh.

So unterschiedlich ihre Schicksale auch sind, eines ist ihnen allen gemeinsam: der Bruch in den Biografien, der Verlust der Sprache, der Heimat und damit ihrer Identität. Mila Katz, die Hauptfigur des Stückes, steht repräsentativ für die Sehnsucht dieser Menschen, wieder zu sich und nach Hause zu finden.

Auf ihrer Suche nach sich selbst streift Mila durch Allerwelt und stellt in ihren Begegnungen mit dessen Bewohnern fest, dass das Erzählen das einzige Mittel ist, um gegen diese Heimatlosigkeit anzukämpfen.

Nicht mehr nach Hause zurück zu können – im konkreten wie auch im übertragenen Sinn – ist ein Schicksal, das bis heute viele Menschen ereilt und mit dem wir täglich konfrontiert sind: Das Schauspielhaus befindet sich in unmittelbarer Nähe zum „refugeecamp“ im Servitenkloster, dem derzeitigen Quartier der seit mehreren Monaten unter anderem in der Votivkirche protestierenden Flüchtlinge.

Philipp Weiss, der 2011 mit Allerwelt das Hans-Gratzer-Stipendium im Rahmen des Autorenprojekts stück/für/stück gewann und in dieser Spielzeit Hausautor am Schauspielhaus Wien ist, wählte als Ausgangspunkt für sein Stück ebenfalls einen konkreten Ort in Wien: Macondo, eine Flüchtlingssiedlung in Simmering, die 1956 auf dem Grundstück eines Kasernenbaus aus dem Ersten Weltkrieg errichtet wurde und in der derzeit fast 3000 Flüchtlinge aus 22 Nationen leben.

Viele, die diesen Ort nur als Zwischenstation sahen, sind bis heute dort geblieben. Flüchtlinge von aktuellen Kriegsschauplätzen treffen hier auf Menschen, die in Macondo seit den 1950er Jahren leben. Phillipp Weiss hat sich dorthin auf Recherche begeben, die Geschichten der dort Gestrandeten gesammelt und in einem fiktiven Flüchtlingslager namens Allerwelt verortet.

Uraufführung


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