Kunstausstellung · Ausstellung: Wissen

Akademie der Asozialität


Nichts prägt dieser Tage unseren Begriff und die Praxis des Teilens so stark wie das Internet. In unserer virtuellen Verbundenheit mit der Welt sind wir permanent dazu angehalten zu teilen, was uns wichtig erscheint und zugleich definiert. Emphatisch teilen wir Persönliches und Peinlichkeiten, Informationen und Meinungen, Songs, Autos, Wohnungen und jüngst sogar Muttermilch über soziale Plattformen.

Teilen ist der Imperativ unserer Zeit – von Creative Commons über Social Media zur Shareconomy. Wer wenig teilt, verliert an Status. Wer gar nie teilt, macht sich verdächtig.

Dabei sind es nicht nur der soziale Druck und die Enthüllungen Edward Snowdens, die diese wunderbare Welt der neuen Teilhabe fragwürdig erscheinen lassen: Den Arbeitsbedingungen zur Herstellung unseres elektronischen Werkzeugs sind wir lieber nicht ausgesetzt. Und am Profit, der sich mit der Ausbeutung von Minenarbeitern im Kongo erzielen lässt, sind wir stille Teilhaber. Da erscheinen die Zukunftstechnologien plötzlich in einem altbekannten Licht. Teilen immer gerne, es sei denn, man hat etwas dabei zu verlieren.

Die „Akademie der Asozialität“ erforscht und propagiert Strategien der Ab-Teilung – in einer Konferenz mit Vorträgen, Diskussionen und Expeditionen. Frei nach Bartlebys „I would prefer not to“ ermuntert sie zum Rücktritt von aller nicht gewählten Teilhaberschaft. Zum Ausstieg aus einem Gefüge, das so wenig durchschaubar ist wie Facebooks Geschäftsbedingungen.

Wohin aber führt der Weg eines kategorischen „Lieber nicht“? Raus in den Wald, rein ins Gefängnis oder können wir nur im System verschwinden? Gibt es eine Individualisierung ohne Entsolidarisierung? Was muss passieren, dass wir ganz real etwas abgeben – selbst dann, wenn es wehtut?

In deutscher und englischer Sprache

Informationen und Anmeldung unter:
[email protected]

herbst-Akademie Workshops
Anmeldeschluss: Do 31/07

Mit:
Inke Arns (DE), Francis Cape (US), Kelly Copper & Pavol Liska (US), Sean Cubitt (GB), Christoph Engemann (DE), Harun Farocki (DE), Leo Kühberger (AT), Alice Lagaay (DE), Nina Möntmann (DE), Elisabeth Scharang (AT), Laura Kalauz & Martin Schick (AR/CH), Alexander Tuchaček (AT/CH), Urban Subjects (Sabine Bitter, Jeff Derksen, Helmut Weber (AT/CA)), Harald Welzer (DE) u. a.
Kuratiert von Christiane Kühl (DE)


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