Literatur · Theater

Ada Dorian - Betrunkene Bäume


Betrunkene Bäume, das klingt wie eine treffend erdachte Metapher, aber betrunkene Bäume gibt es wirklich. Geowissenschaftler und Biologen bezeichnen mit diesem Fachbegriff Bäume, deren Wurzeln im auftauenden Permafrostboden ihren Halt verlieren. Erich, die Hauptfigur in Ada Dorians Debütroman Betrunkene Bäume, ist wie ein betrunkener Baum. Er ist achtzig geworden, und er verliert seine Standfestigkeit. Die Kontrolle über den Alltag entgleitet ihm. Er vergisst Dinge, er ist nicht mehr sicher auf den Beinen, er fährt seinen alten Opel Commodore zu Schrott, weil er ohne Brille nahezu blind ist. Erich züchtet Bäume in seinem Schlafzimmer, Eichen wachsen dort, Ahorne und Birken. Vögel nisten in den Ästen, Laub rieselt aufs Ehebett. Von dem wird nur noch eine Seite benötigt, denn seine Frau hat ihn verlassen, ist zurückgegangen nach Sibirien.


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