Vortrag

25 Jahre nach dem Mauerfall oder Was wurde aus Freibier und Bananen?


Wie sie den Mauerfall, die Bedingungen im Ostblock in Innen- und Außenansicht erlebt, kommentiert, verarbeitet haben, dazu lesen und sprechen die gebürtige ostberliner Autorin, Trägerin des Deutschen Buchpreises 2007, Julia Franck, und der Publizist, Autor, Osteuropa-Experte & Doyen der ORF-Osteuropa-Redaktion, Paul Lendvai.

Im Sommer 1961 wuchs eine Mauer quer durch Berlin, wurde zum gefürchteten Sinnbild der deutsch-deutschen Teilung. Noch am 19. Jänner 1989 erklärt der Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, zum Thema „anifaschistischer Schutzwall“:

„Die Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen, wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt sind.“ 10 Monate später ist die Mauer, an der sich tödliche Tragödien abspielten, Geschichte. Mitteleuropa wird von einem Glückstaumel historischer Dimension erfaßt, der blickdichte Eisenvorhang ist gesprengt.

Und 25 Jahre danach? Wie sie den Mauerfall, die Bedingungen im Ostblock in Innen- und Außenansicht erlebt, kommentiert, verarbeitet haben, dazu lesen und sprechen die gebürtige ostberliner Autorin, Trägerin des Deutschen Buchpreises 2007, Julia Franck, und der Publizist, Autor, Osteuropa-Experte & Doyen der ORF-Osteuropa-Redaktion, Paul Lendvai.

Julia Franck
„Die Beiläufigkeit, mit der Franck es schafft, eine Atmosphäre permanenten Misstrauens zu evozieren, zu zeigen, was es heißt, wenn die wahrgenommene Realität nicht der Realität der anderen, der Herrschenden entspricht, ist umwerfend. Selten las man so gerne auf schwankendem Untergrund.“
Spiegel online anläßlich des Erscheinens von Julia Francks Gesellschaftsromans Rücken an Rücken (S. Fischer 2011), der eindringlich vom Deutschland der 50er und 60er-Jahre erzählt.

Paul Lendvai
„Vor meiner abenteuerlichen Reise aus Warschau über Prag nach Wien im Januar 1957 im Alter von 27 Jahren, ohne wohlhabende Verwandte oder Freunde im Ausland, lagen fünf zum Teil sehr schwierige Jahre im Nachkriegskommunismus hinter mir: Militärdienst, Verhaftung, Internierung als unzuverlässiger politischer Abweichler und drei Jahre Berufsverbot.“ Aus dem Vorwort von Paul Lendvais Erinnerungen Leben eines Grenzgängers (Kremayr & Scheriau 2013).

Klaus Zeyringer
Professor für Germanistik an der Université Catholique de L’Ouest in Angers (F), Kritiker für Standard, Buchkultur, Volltext, Literatur und Kritik. Bücher zuletzt: Eine Literaturgeschichte: Österreich seit 1650 (mit Helmut Gollner), Studienverlag 2012; Fußball. Eine Kulturgeschichte, S. Fischer 2014.


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