Theater

1914 – Zwei Wege in den Untergang


Mit der Uraufführung von „1914, zwei Wege in den Untergang“ wagt der Autor Nicolaus Hagg eine neue Betrachtung dieses Tages – in dramatischer Form. Die handelnden Personen werden nachgezeichnet – spekulativ natürlich, wie alles Theater ist.

In Serbien: der gefürchtete Chef der „Schwarzen Hand“, genannt „Apis“, der das Attentat plant und am Ende selbst zum Opfer wird, weil die neue Zeit für ihn keine Verwendung mehr hat.
Drei Attentäter: Princip, Cabrinovic und Illic in ihrem jugendlichen Hass, ihren Zweifeln, ihrer Verzweiflung, ihrer Liebe und ihrer Ausweglosigkeit.

In Wien: der Obersthofmeister Montenuovo, der der alten Welt ihr Grab schaufelt, indem er sie bewahren will – koste es, was es wolle.
Der Chef des Generalstabs, Conrad von Hötzendorf, der einen Krieg herbeisehnt, weil ihm die Fantasie für den Frieden fehlt.
Menschen, denen es nicht um Menschen, sondern um Ideologien geht.
Und schließlich ist da die Liebe, die meistens zu schwach ist, um den Weg aus der Spirale des Hasses und des Untergangs zu weisen.

Der Autor erzählt von Personen, die hinter diesem welterschütternden Ereignis stehen. Nicht als Historiker, keiner „Wahrheit“ verpflichtet.
Es ist eine Geschichte, eine Spekulation, eine Möglichkeit, die umso unwahrscheinlicher wird, je mehr sie sich den historischen Fakten annähert.

Reichenau/Rax - ein authentischer Spielort für
1914

Ein neues Stück von Nicolaus Hagg
Uraufführung im Auftrag der Festspiele Reichenau für 2014

Besetzung:

In Serbien:
Oberst D. Dimitrijevic, genannt APIS,
Chef der Schwarzen Hand Marcello de Nardo
Major V. Vulovic, sein Adjudant Tobias Voigt
Gavrilo Princip, Attentäter Stefan Gorski
Cabrinovic, Attentäter Florian Graf
Illic, Attentäter Alexander Hoffelner
Nedo Orlic, Princips Verlobte Louise Knof
Mirjana, Kellnerin Karin Kofler

In Wien:
Alfred Fürst Montenuovo, Obersthofmeister Rudolf Melichar
Erzherzogin Maria Theresia,
Stiefmutter des Thronfolgers Gertrud Roll
Conrad von Hötzendorf, Generalstabschef Peter Moucka
Serbischer Gesandter Alexander Lhotzky
in diversen Rollen Philipp Stix

Regie: Michael Gampe
Bühne: Peter Loidolt
Kostüme: Erika Navas
Licht: Lukas Kaltenbäck
Musik: Kyrre Kvam

Mehr als viele andere Schauplätze, die sich zum Gedenkjahr „100 Jahre Beginn Erster Weltkrieg“ ein passendes Theaterstück zur Aufführung vorgenommen haben, können die Festspiele Reichenau mit der Uraufführung eines neu geschriebenen Werkes von Nicolaus Hagg auch den nahen historischen Bezug zum ermordeten Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und in der Folge die Betroffenheit des neuen Thronfolgers Erzherzog Karl, dem späteren Kaiser Karl I, ins Treffen führen.
Villa Wartholz

Der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph und Vater von Franz Ferdinand, Erzherzog Karl Ludwig, ließ sich 1870 in Reichenau die Villa Wartholz als ländlichen Familiensitz durch Architekt Heinrich von Ferstel erbauen, Eigentümer waren allerdings nach dem frühen Tod ihrer Mutter Annunziata (1871) die drei Söhne.
Franz Ferdinand war also schon seit seiner Kindheit Miteigentümer der Villa Wartholz in Reichenau.
Im Juli 1874 bezog Erzherzog Karl Ludwig den neuen Landsitz, nun bereits mit seiner dritten Gemahlin Maria Theresia von Portugal und seinen Kindern. Die Familie hatte für Reichenau eine besondere Vorliebe, sodass man mit kurzen Unterbrechungen in der Villa Wartholz alljährlich von Mai bis Weihnachten blieb, was durch viele Tagebucheintragungen des Erzherzogs dokumentiert ist.
Franz Ferdinand erhielt hier nicht nur durch private Hauslehrer seinen Unterricht, sondern lernte auch die Liebe zur Jagd kennen, bereits mit neun Jahren erlegte er im Raxgebiet sein erstes Wild.

Die überraschende Nachricht vom Tod Franz Ferdinands durch das Attentat in Sarajevo 1914 erreichte den nächsten Thronfolger, Erzherzog Karl und seine Frau Zita, ebenfalls in Reichenau, im Park der Villa Wartholz, die sie als beliebten Landsitz häufig bewohnten. Unter Kaiser Karls Regentschaft 1916-1918 erlangte Reichenau besondere Bedeutung.

Diese historische Kulisse ist in der Landschaft um Reichenau bis heute spürbar. Mitglieder des Kaiserhauses, der Hochfinanz, berühmte Ärzte, Architekten, Presseleute, Juristen und Unternehmer, vor allem aber Künstler der verschiedensten Ausrichtungen, Hofopernsänger, Hofschauspieler, Dichter, Maler und Komponisten haben mit ihren Villen und ihrer Lebensart der Region den Stempel aufgedrückt.

Gedenkjahre wie 1914 veranlassen uns, die eigene Geschichte wieder nachzulesen, hinter alte Mauern zu blicken und Hintergründe nachzuforschen, wie und warum eine Siebenjahrhunderte alte Monarchie in die Brüche ging.
Das neue Theaterstück, das im Auftrag der Festspiele Reichenau dazu geschrieben wurde, soll Ihnen die beste Anregung dazu sein!


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