Der Ausgangspunkt der Lecture-Performance Seen at Secundrabagh der indischen Theaterregisseurin Zuleikha Chaudhari ist eine im Jahr 1858 nach dem Sepoy-Aufstand – einem Schlüsselmoment der Kolonialgeschichte Indiens – aufgenommene Kriegsfotografie.
Zusammen mit Raqs Media Collective seziert Zuleikha Chaudhari das Bild und entlarvt seine Künstlichkeit
Eine Momentaufnahme von 1858, eingefangen von Felice Beato, einem der ersten Kriegsfotografen, drei Monate nach einer blutig niedergeschlagenen Meuterei in der Britischen Ostindien-Kompanie: Das ist der Ausgangspunkt dieser Bildbeschreibung. Vier Männer und ein Pferd posieren vor der Kamera, umgeben von verstreuten Skeletten. Die Fotografie ist eine der frühesten, die menschliche Überreste zeigen, ein historisches Dokument der indischen Kolonialgeschichte. Wahrheitsgetreu scheint sie Fakten und Folgen des Sepoy-Aufstands in Uttar Pradesh wiederzugeben.
Doch die scheinbare Beweiskraft des Fotos ist nicht kompatibel mit der technischen Beschränkung der damaligen Zeit: Die notwendige stundenlange Belichtungszeit der verwendeten Albumin-Fotoplatten lies keinerlei Schnappschüsse zu, limitierte jedwede Fotografie auf die Wiedergabe genau arrangierter, inszenierter Szenen. Für diese außergewöhnlich konzentrierte Lecture-Performance und -Meditation seziert die Theaterregisseurin Zuleikha Chaudhari Beatos Bild gemeinsam mit dem Raqs Media Collective, einer der bedeutendsten Formationen zeitgenössischer bildender Künstler, Medienpraktiker und -theoretiker Indiens, die auch die Text- und Reflexionsgrundlage der Arbeit schuf. Die Bilder trügen, wie alle Geschichtsschreibungen – und entblößen eine verheerende Simultaneität von Geschichte und Gegenwart.
EUR 19,-