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Margherita Spiluttini

Durch den Architekten Adolf Krischanitz kam Spiluttini zur Architekturfotografie. Durch den gewählten Bildausschnitt fügt die Künstlerin dem zentralen Bildmotiv etwas hinzu, was nur das Auge der Kamera sah.
Margherita Spiluttini, geboren 1947 in Schwarzach, Salzburg, lebt und arbeitet in Wien. 2006 erhielt sie das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. 2000 - 2002 Gastprofessur an der Universität für Künstlerische und Industrielle Gestaltung, Linz. 1998 - 1999 Lehrauftrag an der Universität für Angewandte Kunst, Wien.

Ab Mitte der 1970er Jahre begann sie , mit einer Fotokamera Momente ihres Lebens festzuhalten. Damals schoss sie die 107 Einzelportraits der Arbeiter und Angestellten des elterlichen Bauunternehmens. Die Männer schauen offen in die Kamera, spiegeln die Unbekümmertheit und Freude der Portraitierenden. Immer wieder sucht sie auch ihren Vater durch die fotografische Linse, fokussierte vor allem dessen ausdrucksstarke Mimik, begleitet später seine letzten Lebensjahre mit dem Fotoapparat.

Durch den Architekten Adolf Krischanitz kam Spiluttini zur Architekturfotografie. Am bekanntesten aus der frühen Zeit sind ihre Aufnahmen der 300 Bauten des ersten Wiener Architekturführers in Buchform. In diesen Bildern entwickelt sie erstmals konsequent ihre außergewöhnliche Bildästhetik, diesen atmosphärischen Blick, der die Bauten im Leben verankert. Sie fotografiert nur bei natürlichem Licht, greift nicht in das Motiv ein, räumt nichts hin und nichts weg. „Ich habe immer das persönliche Foto gesucht, aber was ist das?“ fragt die Künstlerin. Sie fotografiert mit der Plattenkamera, also mit auf dem Kopf stehendem Bild, und schwarzem Tuch: „Es ist ein intimer Raum, in dem ich mit diesem Ausschnitt der Welt alleine bin und alles sehe, was hier zusammenkommt.“

Eines ihrer bevorzugten Motive sind Orte des Übergangs, Stiegenhäuser, Brücken, Durchgänge. Mit ihren Fotografien sucht sie die stilistischen Unterschiede in den Räumen, in denen Menschen kurzzeitig aufeinander treffen, an denen eine spezielle, beiläufige Form der Kommunikation entsteht – eine Form, die in der Ausschnitthaftigkeit jenem Austausch der Kamera mit dem Leben ähnelt, den Spiluttini schon in ihren frühen, tagebuchartigen Fotografien gewählt hat. Diese Orte spiegeln das Leben in seiner verdichteten Kurzfristig- und auch Zufälligkeit wider. Hier findet Spiluttini auch ihre Antwort auf die Suche nach dem „Persönlichen“ in der Fotografie: Durch den gewählten Bildausschnitt fügt die Künstlerin dem zentralen Bildmotiv etwas hinzu, was nur das Auge der Kamera sah. Dadurch sehen wir eine Welt, die nicht sachlich sein will, sondern in einem emotionalen Moment verdichtet ist. Darum haben diese Bilder nicht nur mit der Architektur, sondern viel mehr mit dem Dasein zu tun. (Sabine B. Vogel, 2011)

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