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Mi, 23. Mai 2012
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Lesespuren - Spurenlesen

oder Wie kommt die Handschrift ins Buch?
Ästheten, Sammler, Antiquare und Bibliothekare zeigen sich entsetzt oder hoch erfreut: Handschriftliche Eintragungen in Büchern versehen ihr ›Objekt der Begierde‹ mit einem Makel oder werten es ungemein auf, je nachdem, wer darin ›Hand angelegt‹ hat und was sich daraus lesen läßt. Von den vielen Wegen, auf denen die Handschrift ins Buch kommt, handelt die Ausstellung »Lesespuren – Spurenlesen oder Wie kommt die Handschrift ins Buch?«, die ab 29. September 2011 im Kabinett der Wienbibliothek im Rathaus zu sehen ist.

Nachgezeichnet werden vor allem jene Wege, die in brisanter Weise verdeutlichen, daß der scheinbar so abgelegene Aspekt der Lesespuren aus kulturhistorischer und literaturwissenschaftlicher Perspektive eine besondere Kunst des Spurenlesens verlangt. Welche Signale setzt der Schriftsteller Franz Innerhofer mit seinen Anstreichungen, wenn er den berühmten »Brief an den Vater« von Franz Kafka liest? Was korrigiert Franz Werfel in seinem expressionistischen Drama »Der Spiegelmensch«? Wie sind die Annotationen von Joseph Franz von Jacquin in seinem »Lehrbuch der allgemeinen und medicinischen Chymie« zu deuten? Was bezweckte Marcel Prawy, als er in mehreren Wagner-Monographien – auch in der eigenen – fast jedes gedruckte Wort unterstrich? Wo fand Gustav Mahler noch Platz, um in einem Beethoven-Druck dessen 9. Symphonie neu zu instrumentieren?

Und was eigentlich könnte Marilyn Monroe an den von handschriftlichen Kommentaren und eigenhändigen Skizzen überquellenden Regiebüchern Max Reinhardts interessiert haben? Solche und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, etwa auch in bezug auf Themen wie Theater oder Zensur. Gezeigt werden darüber hinaus unbekannte Handexemplare von Erich Fried, Peter Handke, Ernst Jandl, Karl Kraus oder Peter Weiss. Alles beginnt jedoch mit einem Jubilar: ein annotierter Druck aus dem Jahr 1511, der heuer 500 Jahre alt wird.

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