Eine Frau ist von Schönheitsoperationen besessen, ein Mann verfällt einem von der Überwachungskamera gefilmten Augenblick, ein Polizist gerät in Panik, weil er keinen Parkplatz findet, und ein Mädchen geht verloren. Paulus Hochgatterer ist Psychiater und erfolgreicher Romancier. Für das Schauspielhaus Wien verfasster er das Auftragsstück Makulatur – ein Werk über das, was wir sehen, nicht sehen und zu sehen glauben.
Was sehe ich, wenn ich genau hinschaue, und was habe ich am Ende wahrgenommen? So fragt Paulus Hochgatterer, Kinderpsychiater und einer der prononciertesten österreichischen Prosaautoren, für sein neues, vom Schauspielhaus Wien in Auftrag gegebenes Stück. Es thematisiert die Beobachtung und die Netzhaut, absichtliche und organische Wahrnehmungstäuschung. Dabei spielt der gelbe Fleck eine Rolle, jener Teil der Netzhaut im Auge, der die meisten Sehzellen enthält (nicht zu verwechseln mit dem blinden Fleck, an dem der Sehnerv austritt). Es geht also auch um eine Makuladegeneration im Auge des Betrachtenden: Ich sehe was, das ich nicht kenne. Ich sehe was, das ich nicht erkenne. Ich sehe was, das ich fühle, wittere, aber das mir nicht ersichtlich ist.
Alles nur Wahrnehmungsfragen, ein Spiel, Theaterspiel oder doch nur eine Täuschung des Auges, der Kamera, ein blinder oder zu gelber Fleck? Makulaprobleme oder Makulatur? „Und ist nicht das“, fragt Hochgatterer weiter, „was wir grosspurig unsere Identität nennen, langst bloße Chimäre?“
PUblikumsgespräch
5. Juni, im Anschluss an die Vorstellung, Schauspielhaus
EUR 28,-