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Di, 22. Mai 2012
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Antigone

Jean Anouilh
Regie: Johannes von Matuschka
Antigones Brüder haben sich gegenseitig getötet. Der eine wird beerdigt, der andere nicht, als Warnung vor einer Revolte. Ihn zu bestatten ist bei Todesstrafe verboten. Antigone jedoch ist wild entschlossen, dem Bruder die Totenehre zu erweisen. Beim Versuch, seinen Körper mit Erde zu bedecken, wird sie gefangen genommen und vor König Kreon, ihren Onkel, geführt. Ein erbittertes Ringen um das, was beide glauben tun zu müssen, beginnt …

Eine ungebrochene Faszination geht von der antiken Figur der Antigone aus. Kaum ein anderes Stück erfuhr so viele Bearbeitungen wie diese Tragödie. Was Widerstand ist und sein kann, dieser Frage versuchen Autoren bis heute am Modell Antigone auf den Grund zu gehen. Und Antigones „Ungehorsam“ ist nicht nur ein Akt des Widerstandes gegen Herrschaftsmacht, sondern auch ein Eindringen in eine patriarchale Ordnung.

Die bekannteste Adaption des 20. Jahrhunderts stammt von Jean Anouilh. Stehen in Sophokles’ Antigone göttliches und menschliches Gesetz im Widerstreit, so begegnen sich bei Anouilh – in einer götterlosen Welt – zwei Menschen, die das alleinige Gesetz ihres Handelns aus ihrer persönlichen Haltung zum Leben beziehen: Ein Kreon, der die Bejahung, eine Antigone, die die Verneinung des Lebens bis zur letzten Konsequenz treiben. Das Leben, das Kreon trotz allem liebt, bedeutet für ihn nicht mehr als eine bloße Vereinbarung unter Menschen, die der notwendigen Ordnung, der Verringerung der Absurdität, dem „kleinen Glück“ zu dienen hat. Aber damit gibt Kreon Antigone gerade das entscheidende Argument in die Hand. Antigone erhebt Anspruch auf die Anerkennung ihrer Freiheit, eben dieses Leben zu verneinen. Wenn Kreon ihren Tod nicht will, so nicht deshalb, weil sie seine Nichte und die Verlobte seines Sohnes Hämon ist, sondern weil ihr Nein-Sagen sowohl die Staatsräson als auch seine persönliche Bejahung dieses Lebens in Frage stellt. Antigone aber lehnt den Kompromiss ab, sie lehnt vor allem „das kleine Glück“ ab, das den Kompromiss belohnt: „Ihr ekelt mich an mit eurem Glück. Ich will alles, sofort – und ganz – oder ich lehne ab.“

Inszenierung Johannes von Matuschka
Bühne und Kostüme Marie Holzer
Musik Malte Beckenbach
Dramaturgie Kathrin Bieligk

Besetzung Antigone Katharina Vötter
Ismene Barbara Novotny
Kreon Stefan Matousch
Hämon Bastian Dulisch
Spielleiter Aurel von Arx / Christian Manuel Oliveira

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