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Do, 20. Juni 2013
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Der Mann ohne Eigenschaften

Wer sich zu Beginn des Abends eine szenische Umsetzung einer der berühmtesten Eingangspassagen der Weltliteratur erwartet, wird bitter enttäuscht: nicht vom Wetter ist die Rede, sondern von Lustmord. Jürgen Kaizik, Regisseur und Ersteller der Bühnenfassung, kann sich bei seiner Entscheidung für diese Szene freilich auf Musil selbst berufen, denn der Autor plante ursprünglich, zum Auftakt für sein opus magnum, die Schilderung einer blutrünstigen Frauenmißhandlung, als Vorwegnahme der späteren Tat Moosbruggers.
Also hat Kaizik den Dirnenmörder in den Mittelpunkt gestellt ¿ oder besser: gesetzt, denn sobald sich der Vorhang hebt, wird eine monströse Sitzgelegenheit auf Stelzenbeinen (ein Mittelding zwischen Elektrischem Stuhl und Königsthron) sichtbar, an der Moosbrugger festgeschnallt das Verhör des Irrenarztes über sich ergehen lassen muss.
Was als ungebührliche Heraushebung einer Figur erscheinen könnte, gewinnt seinen Sinn im weiteren Verlauf der Inszenierung, sobald deutlich wird, dass Moosbrugger als Ulrichs unheimliches Double, das seine dunkle triebhafte Seite verkörpert, konzipiert ist.

Für den Kenner des Musilschen Werkes ¿ falls sich überhaupt jemand mit Fug und Recht diesen Titel beilegen darf ¿ besteht natürlich ein besonderer Reiz darin, die zur Dramatisierung herangezogenen Textpassagen zu identifizieren und in ihr ursprüngliches Umfeld innerhalb des Romans zurückzuversetzen. Dabei treten mitunter unweigerlich Momente auf, in denen man Kaizik eine glücklichere Hand beim Arrangement des Bühnengeschehens gewünscht hätte: Clarisses Besuch der Irrenanstalt z.B. wurde von ihm - man möchte nicht annehmen, aus Gründen des sittlichen Anstands ¿ um seine eigentliche ¿Pointe¿ gebracht.
Manchmal findet sich die Handlung auch mit überflüssig symbolischem Ballast beschwert: etwa wenn das Geschwisterpaar Ulrich und Agathe vor dem Erdloch auf der Bühne steht, das eben noch als Grab diente, und der Mann seine Bücher, die Frau hingegen eine Babypuppe hineinwirft.
Solche Kleinigkeiten können aber der Gesamtwirkung des ehrgeizigen Theaterprojekts kaum ernsthaften Schaden zufügen: hat man sich erst einmal daran gewöhnt, dass hier Figuren druckfrische Sentenzen zum Besten geben, denen noch der Geruch des Papiers anhaftet, (bzw. auch nur den eigenen Widerstand überwunden, den Romantext auf so ungewohnte Weise präsentiert zu bekommen) folgt man dem Bühnenspiel mit wahrer Faszination, zumal die schauspielerischen Leistungen ausnahmslos den legendären Ruf der Josefstadt rechtfertigen.

franco schedl

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Tipp:
Niederösterreich:
Naadam ist das traditionelle Volksfest der Mongolei, das alljährlich im Juli über drei Tage stattfindet und in der Mongolei den Höhepunkt des Jahres darstellt. Am 6. Juli 2013 wird das Fest auch am Gelände der Trabrennbahn Baden mit einem umfassenden Programm gefeiert.

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