Das Blut
|
KRITIK (Aufführung im Volkstheater)
Das Blut ist allgegenwärtig in diesem Stück und klebt die fünf Szenen zusammen: nicht nur das Entführungsopfer wird zur Ader gelassen, sondern auch alle ¿Nebenfiguren¿ verlieren in dieser bitterbösen Bestandaufnahme einer verrotteten Gesellschaft reichlich davon. Bis sich zuletzt durch Vermischung des Blutes eine seltsame Intimität zwischen Opfer und Täter herstellt. Elisabeth Raths schauspielerischer Einsatz fordert beinahe die totale Selbstaufgabe und geht bis an die Grenzen des Zumutbaren: als einzige Rache, die das Oper an seinen Peinigern nehmen kann, ist ihm die eigene Körperlichkeit geblieben ¿ auf einem Kübel hockend entleert es den vom Durchfall zerrütteten Darm und stellt triumphierend fest, dass es die Luft verpestet, die der Entführer einzuatmen gezwungen ist. Das Stück setzt auf die brutale und verstörende Körperlichkeit und drastische Schockwirkungen ¿ dennoch ist der ¿Naturalismus¿ natürlich nur eine Bühnenillusion und hätte mit letzter Konsequenz noch weiter getrieben werden können (wenn sich die Frau z.B. den angeblich kotverklebten Hintern auswischt, bleibt das dazu verwendete Taschentuch sauber) ¿ zum Glück hat der Regisseur auf solche Effekte verzichtet. Schon seit langem hat keine Inszenierung soviel Beklemmung und Herzklopfen im Zuschauer hervorgerufen ¿ Sergi Belbel ist seinem Wunschtraum, Stücke zu schreiben, die ¿intensive physische, sensorische und intellektuelle Sensationen und Provokationen¿ auslösen, mit ¿Blut¿ bereits unglaublich nahe gekommen. page-ID: 4102964
Tipp:
![]() |
Hol dir hier deine Vorteile mit events.at !Stichwortsuche
zuletzt gesurft:
|





