Im Frühjahr 2012 zeigt Anna Jermolaewa ihre jüngste Arbeit „Das vierzigste Jahr“
im Salzburger Kunstverein.
Ausgangspunkt des vor etwa einem Jahr begonnenen Projektes bildete eine
Anna Jermolaewa bis dato unbekannte Fotografie. Diese wurde 1986 während ihrer
Schulzeit an einem Kunstgymnasium im ehemaligen Leningrad aufgenommen und zeigt
die Künstlerin gemeinsam mit fünf ihrer KlassenkameradInnen.
Auf dem Foto sind alle Beteiligten 16 Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt beschlossen ein
paar von ihnen mit 40 Jahren Selbstmord zu begehen; denn 40 schien uralt und weit
entfernt.
Seit der Matura hatte Jermolaewa ihre MitschülerInnen nicht mehr gesehen. 2011 feierten
sie alle ihren vierzigsten Geburtstag. Anna Jermolaewa beschloss ihre ehemaligen
KlassenkameradInnen zu finden und zu treffen. Die Recherche ergab, dass nur zwei von
den sechs abgebildeten Personen noch in Russland leben, die anderen im Ausland.
Nach einigen Reisen ist ein Portrait der unterschiedlichen Lebensmodelle der einzelnen
Personen entstanden, die nun über die ganze Welt verstreut leben. Eine Collage aus
Gedanken über die Realisierung und Nicht-Realisierung von Lebensträumen, die Folgen
von Entwurzelung, die Möglichkeiten von Neuorientierung und das Älterwerden... und nicht
zuletzt auch über Emigration, Kindererziehung, die russische Mafia, Musik, Alkohol,
Hochzeitskleider und Portraitzeichnen.